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Kavai zu Gewalt-Medien: Frühe Erziehung und eigene Erfahrungen |
Beratung und Tipps im InternetEin verbesserter Jugendschutz vor Gewaltvideos im Internet wie ihn unter anderem die Europäische Union anstrebt, wird nach Ansicht des Kreisbeigeordneten André Kavai wirkungslos bleiben, wenn er nicht entsprechend kontrolliert wird. Hier sieht der Jugenddezernent des Main-Kinzig-Kreises die größte Schwachstelle. Schon heute sei nicht sichergestellt, dass Kinder und Jugendliche sich an die Beschränkungen bei Computerspielen oder auch Kinofilmen halten. „Der Staat ist bei dieser Aufgabe überfordert“, kommentiert Kavai die aktuelle Diskussion. Zudem sei zweifelhaft, ob das Internet überhaupt in irgendeiner Weise zu reglementieren sei. Es sei wichtig, dass sich die Familien auf das veränderte Konsumverhalten der Kinder und Jugendlichen einstellen. Früher hatte es ausgereicht, den Nachwuchs vor den abendlichen Nachrichten ins Bett zu bringen. Die späteren Fernsehsendungen waren somit tabu für die sensiblen Seelen. „Doch die Medienlandschaft ist sehr viel komplizierter geworden“, sagt Kavai. Der Jugenddezernent ruft auf zu einem kritischen und sorgfältigem Umgang mit Computer und Videospielen. „Mit einem einfachen Verbot bestimmter Spiele ist es nicht getan“, fordert er eine differenzierte Betrachtung. Man dürfe der Problematik nicht mit einfachen Thesen begegnen. Die Wahrheit liege – wie so oft in der Mitte – zwischen Verharmlosung und Verdammnis. Bedenklich ist für Kavai, dass offensichtlich viele Kinder und Jugendliche an Spiele herankommen, die für ihre Altersgruppe nicht freigegeben sind. So fand das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) heraus, dass jeder zweite Junge im Alter von zehn Jahren über Erfahrungen verfügt mit Computerspielen, die erst ab 16 freigegeben sind. Bei den 14- bis 15-Jährigen ist das Ergebnis noch extremer: 80 Prozent haben Zugang zu Spielen für Erwachsene. Hier müssten Handel und Elternhaus konsequenter darauf achten, dass die Empfehlungen eingehalten werden. Außerdem sollten sich Eltern die Zeit nehmen, ihren Kindern beim Spielen einmal über die Schultern zu schauen oder nach dem Sinn der Handlung zu fragen. „Ein ehrliches Interesse ist hier erfolgreicher als simple Verbote oder Kontrollen“, rät der Jugenddezernent. Hilfestellung bieten die unter aufgeführten Seiten im Internet. Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die einen eindeutigen Zusammenhang gewisser Computerspiele oder Fernsehfilme mit wachsender Gewaltbereitschaft belegen, doch eine erhöhte Aufmerksamkeit sei geboten. „Im Zusammenwirken mit ungünstigen Faktoren ergibt sich eine explosive Mischung“, teil Kavai die Ansicht einiger Fachleute. Deutlich sichtbarer sei die Verbindung zwischen Medienkonsum und schulischen Leistungen. „Gerade Jungs, die viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, bestätigen bei Untersuchungen diese Vermutungen“, berichtet Kavai. Schulerlebnisse und Lernerfolge würden durch intensive Computerspiele förmlich gelöscht, so die Einschätzung der Kritiker. Doch der Jugenddezernent warnt davor, die Spielgeräte des 21. Jahrhunderts nun völlig aus den Kinderzimmern zu verbannen. „Es gilt auch hier der Grundsatz: Die Dosis macht das Gift“, betont Kavai. Wenn allerdings wie laut einer Studie zehjährige Jungs in Dortmund fast ein Drittel mehr Zeit vor Fernseher und Computer verbringen als im Unterricht, so sei das ein Alarmzeichen. Insgesamt habe sich die Mediennutzung bei Kindern und Jugendlichen in den vergangenen 15 Jahren im Umfang kaum verändert. Dafür gebe es einen Anstieg bei Erwachsenen und vor allem Senioren, verweist Kavai auf einen anderen Aspekt der Diskussion. „Ein bewusster Umgang mit den Medien Computer und Internet ist in keinem Fall schädlich“, ist Kavai überzeugt. Nur müsste der Alltag der Heranwachsenden entsprechende Alternativen und Ablenkungen bieten wie Sport, Musik, Freunde und Familie. Denn so könnten die Jugendlichen ihr Bedürfnis nach Bewegung und Abenteuer befriedigen. „Es ist nicht angebracht, Mediengewalt zum Sündenbock für Gewalt in der Gesellschaft zu machen“, zitiert der Kreisbeigeordnete aus einem Bericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren Frauen und Jugend. Sinnvoll seien eine aktive Beschäftigung mit dem Thema und eine frühe Medienerziehung. Außerdem sollten Jugendliche die Möglichkeit behalten, ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Empfehlenswerte Seiten im Internet: Für Eltern die sich mit dem Thema vertraut machen wollen, nennt der Jugenddezernent mehrere Quellen im Internet: Auf www.spieleratgeber-nrw.de finden sich zahlreiche Hinweise zu Computer-, Konsolen- und Onlinespielen. Eine allgemeine Information über Internetnutzung bieten www.internauten.de und www.internet-abc.de . Die Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz informiert auf ihrer Seite www.klicksafe.de . Kinder sicher im Netz lautet eine gemeinsame Aktion der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes (ProPK), der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia (FSM) und der Deutschen Telekom AG zur Förderung der Internetkompetenz von Eltern. Sie findet sich unter www.polizei-beratung.de/vorbeugung/medienkompetenz/internet . www.lebensrausch.com ist der etwas seltsam klingende Titel eines Gemeinschaftsprojektes verschiedener Institutionen, wie ZDF, Leipziger Messegesellschaft. Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt. Ziel ist es, eine Net-Community für Jugendliche aufzubauen. Die Seite bietet Infos zu verschiedenen Themen und über Wettbewerbe, Hinweise auf Workshops, Diskussionsforen, Infos zu Praktika usw. Inhaltlich ist es ein anspruchsvolles Angebot. Eine interessante Fundgrube ist auch die Plattform www.seitenstark.de . Unter www.blinde-kuh.de betreibt ein Verein in Hamburg mit Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sein Projekt. Es handelt sich um eine Suchmaschine für Kinder, die Suchfunktionen, Surftipps und Infos zu verschiedenen Themen bereithält. Ein empfehlenswertes Informationsangebot ist auch www.chatten-ohne-risiko.de . Es wird von der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg und jugendschutz.net betrieben. Hier finden sich allgemeines Informationen zu Chats (technische Voraussetzungen, Chat-Sprache usw.), Hinweise zu Gefahren, Verhaltensempfehlungen und auch eine Bewertung von Chat-Angeboten. Diese Seite richtet sich an Eltern, Kinder, Jugendliche. |